Verteidigung in Kapitalstrafverfahren (Mord, Totschlag, Delikte mit Versterbensfolgen)

A. Kapitalstrafverfahren sind häufig hinsichtlich der Ausgangssituation, der Verfahrensganges und des Verfahrensergebnisses eine hoch emotionale Angelegenheit und eine große Herausforderung für den Angeklagten, die Angehörigen des Opfers und die beteiligten Richter.

In einem Kapitalstrafverfahren sitzen die Beschuldigten in aller Regel in Verfahrenssicherungsmaßnahmen (Untersuchungshaft oder einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus) und haben deshalb nur sehr eingeschränkten Kontakt zur Außenwelt. Dies ist häufig auch für deren Angehörige eine große Herausforderung. Die Angehörigen des geschädigten Menschen sind allerdings durch den Verlust häufig so stark emotionalisiert, dass sie diese Emotionen in den Gerichtssaal hineintragen.

Im Kontrast hierzu steht regelmäßig auf den Plänen der Gerichte eine große Anzahl an Experten, die zu den unterschiedlichsten Sachthemen gehört werden und hierdurch den Verfahren eine sehr sachliche Komponente zu geben vermögen.

B.

I. Als Beschuldigter in einem Kapitalstrafverfahren ist es von überragender Bedeutung von Anfang an auf das Recht zu bestehen, mit einem Verteidiger zu sprechen. Die Staatsanwaltschaften sind gehalten auch zu Nachtzeiten die Strafverteidiger zu bestellen und unmittelbaren Kontakt zwischen dem Beschuldigten und seinem Strafverteidiger zu ermöglichen. Der Beschuldigte sollte deshalb stets darauf achten zu keinem Zeitpunkt ein Gespräch mit einem Beamten der Polizei zu führen. Das sehr menschliche Bedürfnis, mit jemandem über die belastende Situation zu sprechen, sich irgendwie zu verständigen oder gar die Tat selbst zu gestehen, müssen in dieser Situation dringend unterdrück werden. Nur sehr selten kommt es vor, dass Polizisten arglistig versuchen müssen, ein Gespräch herbeizuführen oder ein Geständnis zur Täuschung zu erwirken. In den allermeisten Fällen ist es das innere Bedürfnis des Beschuldigten mit irgendjemanden zu reden, das genügt.

II. Im Ermittlungsverfahren ist es wichtig für die Erarbeitung der Verteidigungsstrategie, dass der Verteidiger jedes Detail – und sei es noch so bloßstellend – erfährt, um abzuwägen, ob die Folgen eines verheimlichen dieses Detail die Nachteile für das Verfahren aufwiegt. Schon im Ermittlungsverfahren müssen zudem bestimmte Beweismittel gesichert werden, die ansonsten drohen verloren zu gehen oder jedenfalls nicht mehr mit demselben Aussagewert erhoben werden können. Hierzu zählen unter anderem auch das Konsultieren von Experten (techisch: Sachverständige) für bestimmte Teilbereiche wie zum Beispiel: Forensische Psychologie (Schuldausschluss, Schuldverminderung zum Zeitpunkt der Tat), Pathologie (Besonderheiten der Verletzungsbilder von Täter und Opfer), Blutspurenanalyse (Rekonstruktion des Tathergangs anhand objektiver Umstände), Einschaltung von Toxikologen oder (Lebensmittel-)Chemikern (Untersuchung von bestimmten Mitteln am Tatort), und Biologen (Untersuchung von Insekten am Tatort oder in der Leiche zur Feststellung des Todeszeitpunktes). Der Strafverteidiger muss hinreichend Zeit erhalten, sich in diesen Fachgebieten einlesen zu können und gegebenenfalls im Verfahren lenkend einzuwirken.

III. Im Hauptverfahren wird es sodann maßgeblich um die Deutungshoheit des feststellbaren Sachverhalts gehen. Es kann darauf hingewirkt werden, dass bestimmte Personen nicht gehört werden, dafür aber andere Personen dringen gehört werden müssen. Die Verteidigungsstrategie kann unter anderem vorsehen sich vorzubehalten z.B. zu einem späteren Zeitpunkt eine Einlassung des Angeklagten zur Sache zu machen. Sie wird aber in der Regel darauf ausgelegt sein, so früh wie möglich eine bestimmte Version des Tatverlaufs und der dahinter stehenden Gedanken des Täters und des Opfers zu erzählen, und diese durch eine sehr technische und deshalb resolute Verteidigungsstrategie zu verfolgen.

C. Der Schlüssel zum Erfolg einer Verteidigung in Kapitalstrafsachen ist der unbedingte Verteidigungswillen, eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen dem Auftraggeber und seinem Verteidiger und dem zielgerichteten Hinarbeiten auf die gewünschte Folge. Diese kann häufig genug eine Verteidigung mit dem Strafausspruch Totschlag und einer Freiheitsstrafe auf Zeit sein, da eine Verurteilung zu Mord zwingend eine lebenslange Freiheitsstrafe mit sich zieht, die durchschnittlich 15 Jahre verbüßt werden muss.

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