Körperverletzungsdelikte

A. Der Bereich der Körperverletzungsdelikte unterscheidet sich in der grundsätzlichen Arbeit nicht von der in den übrigen Bereichen des Strafrechts. Dennoch gibt es auch hier einige Besonderheiten, die schon in einem frühen Stadium des Verfahrens zu zentralen Weichenstellungen beachtet werden sollten.

Häufig ereignen sich Körperverletzungsdelikte im Zustand von Erregung. Sei dies eine Enthemmung im Zusammenhang mit bewusstseinsverändernden Stoffen (z.B. Alkohol, Kokain, Amphetaminen) in Kombination oder alleine mit Erregungsumständen wie Meinungsverschiedenheiten.

Häufigstes Motiv des Opfers eine Anzeige zu erstatten ist dabei, dem Täter die Tatfolgen zu verdeutlichen und deshalb eine Strafe zu bewirken. Dieses Motiv kann häufig genutzt werden, um das Strafverfahren und etwaige Begleitverfahren zu verhindern.

B. Bei der Arbeit mit dem Sachverhalt bieten Auseinandersetzungen im Nachtleben die Besonderheit, dass sich in der Regel nicht mehr alle Beteiligten an die Details der Tatumstände erinnern können, oder bestimmte Umstände sich nicht mehr rekonstruieren lassen. So sind zum Beispiel häufig die Anfänge einer Auseinandersetzung nicht mehr darstellbar, die Verläufe unklar hinsichtlich derjenigen Personen, die zugeschlagen haben sollen oder auch die Tatbeiträge von den (vermeintlichen) Opfern nicht mehr aufklärbar.

Diese Umstände können dazu genutzt werden, um entweder schon im Ermittlungsverfahren eine Einstellung des Verfahrens zu bewirken oder ein Absehen von der Verfolgung (sog. Einstellung wegen Geringfügigkeit oder Einstellung gegen Auflagen) zu bewirken. Dabei kommt dem Täter häufig zu Gute, dass die tatsächlich geschädigten Opfer meist lediglich eine geringfügige Schmerzensgeldzahlung erhalten wollen. Dieses Vorgehen wird häufig in der Gesellschaft als Freikaufen bezeichnet, ist allerdings sowohl nach strafrechtlichen Gesichtspunkten als auch aus der Perspektive der Opfer ein sehr effizientes und vom Gesetz gewünschtes Vorgehen. Es führt zum Rechtsfrieden zwischen den Beteiligten.

Bei schwerwiegenderen Tatfolgen oder deren Vorbringen werden in der Regel Ausführungen auf sachverständiger oder wissenschaftlicher Basis notwendig sein, um die Verletzungen in eine Perspektive zu setzen. In den Strafverfahrensakten werden häufig blutverschmierte Opfer zu sehen sein, deren Zustand sich allerdings häufig durch klarstellende Ausführungen und eine Entschlüsselung der Diagnostik – sofern eine vorgelegt wird – als weit weniger gravierend darstellt. Dies wirkt sich sodann strafmildernd aus, weil das Gesetz bei seinen teils großen Strafrahmen stets in Betracht nehmen möchte, wie schwerwiegend die Verletzung des Opfers gewesen ist.

Darüber hinaus ist auch der Zustand der Erregung oder Enthemmung unter gewissen Umständen strafmildernd zu berücksichtigten, und sollte von der Verteidigung auch notwendiger Weise vorgetragen werden. Wenn das Opfer mitgewirkt hat an einer Eskalation einer Situation (sog. Tatprovokation), dann wird dies in der Regel strafmildernd zu berücksichtigen sein, wenn die Tatfolgen nicht besonders gravierend oder absichtlich herbeigeführt sind.

Von besonderer Bedeutung sind zudem die teils gravierenden Folgen von auch nur leichten Verletzungshandlungen. Hierbei wird eine intensive Zusammenarbeit mit medizinischen Sachverständigen notwendig sein, um zum Beispiel eine besondere Anfälligkeit des Opfers oder der Körperpartie für besondere Folgen herauszuarbeiten. Dies wird nahezu nie zu einem Freispruch für den Täter führen, allerdings ist dies auch nicht immer das Hauptanliegen der Verteidigung, da in den allermeisten Fällen das Motiv der Gerichte („Strafe muss sein“) durchaus ein erziehender Gedanke ist, sodass etwaige Strafrabatte durch eine besondere Darstellung der inneren Empfindungslage des Täters erwirkt werden können.

C. Auch wenn Körperverletzungsdelikte zunächst anmuten wie Bagatellen, so sollte auch in diesem Bereich nicht leichtfertig der Versuch gestartet werden, die Verteidigung alleine zu bewirken. Es ist stets ratsam, sich zumindest durch eine Beratung bei einem Anwalt eine gewisse Verfahrensgestaltung mit auf den Weg geben zu lassen, die zu einem Minimalschaden führen sollte. Mit einer Zahlung einer billigen Entschädigung in Geld unmittelbar an das Opfer und einer aufrichtigen Entschuldigung kann häufig noch ein Schadensersatzverfahren abgewendet werden und ein Strafrabatt herausgearbeitet werden.

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